Frankfurt singt und klingt

Fast 500 Chöre mit rund 20.000 Sängern beim Deutschen Chorfest 2012

Vom 7. bis zum 10. Juni 2012 machten fast 500 Chöre mit annähernd 20.000 Sängerinnen und Sänger Frankfurt am Main zur Chormetropole Europas. "Wir sind unendlich glücklich, wie wir Franfurt vier Tage lang zum Singen gebracht haben – und wie Frankfurt mit uns gesungen hat!", sagte der Präsident des Deutschen Chorverbandes (DCV), Henning Scherf. "Wir freuen uns wahnsinnig, dass die Frankfurter so mitgezogen haben und sich überall und immer wieder begeistert unter unsere vielen Sängerinnen und Sänger gemischt haben. Dieses Fest hat wieder einmal gezeigt, wie Chormusik die Menschen zusammenbringen kann."

"Dieses Chorfest hat Frankfurt verändert", befand Oberbürgermeisterin Petra Roth. "Vier Tage lang wurde nicht nur in Konzertsälen und auf Plätzen, sondern auch in Kneipen und Restaurants, eigentlich an allen Ecken und Enden gesungen." Besonders freute sich Roth über die vielen teilnehmenden Chöre aus dem Ausland, die die verbindende Funktion des Singens über kulturelle Grenzen hinweg deutlich gemacht hätten.

Die rund 600 Konzerte wurden nicht nur von den Chorfest-Teilnehmern aus der ganzen Welt, sondern auch den Frankfurtern und Touristen begeistert angenommen. Der DCV schätzte für die vier Veranstaltungstage insgesamt etwa 200.000 Besucher. Allein zu den Open-Air-Veranstaltungen auf dem Römerberg und am Mainkai-Ufer – darunter die Eröffnung am Donnerstag, ein Open-Air-Konzert der Wise Guys, der größte Beatles-Chor Deutschlands, das Männerchorsingen des Hessischen Sängerbundes und viele weitere Konzerte und Mitsing-Gelegenheiten – kamen rund 50.000 Menschen.

Zu einem riesigen Publikumserfolg wurde auch die Nacht der Chöre, in der an zwölf Veranstaltungsorten rund 70 Konzerte stattfanden. Der auch für die Veranstalter unerwartet große Andrang brachte einige Spielstätten – etwa den hr-Sendesaal, wo die Pop-Jazz-Chöre auftraten, oder die St. Katharinenkirche – an den Rand ihrer Kapazität.

Zu einem besonderen Erlebnis für alle Mitwirkenden und Zuhörer wurde das große Mitsingkonzert in der Alten Oper. Dort führten rund 600 Laien-Sängerinnen und -Sänger gemeinsam mit der Singakademie Frankfurt, dem Cäcilien-Chor Frankfurt sowie dem Frankfurter Opern- und Museumsorchester unter der Leitung von Star-Dirigent Bertrand de Billy das Oratorium "Elias" von Felix Mendelssohn Bartholdy auf. "Es war auch für mich ein großartiges Erlebnis, eingekreist von singenden Menschen dieses große Werk einzustudieren und aufzuführen", sagte Bertrand de Billy, der bereits in vielen der wichtigsten Opernhäusern der Welt gastierte.

Im Mitsingkonzert zeigte sich auch, dass das Konzept der Veranstalter, die Laienchorszene mit professionellen Musikern in Kontakt zu bringen, voll aufging. Beide Seiten zeigten sich beeindruckt von der Ernsthaftigkeit und dem Engagement aller Mitwirkenden.

Auch die über hundert Konzerte im Internationalen Chorwettbewerb, an dem rund 90 Ensembles teilnahmen, fanden in der Regel vor vollen Sälen statt. Musikalisch bot der Wettbewerb ein ausgesprochen hohes Niveau und viele positive Überraschungen. Eine von diesen war der Landesjugendchor Saar, der nicht nur in der Kategorie Alte Musik den ersten Preis gewann, sondern auch noch den Sonderpreis "Bester Chor aller Kategorien" einstrich. Damit sicherte sich das Ensemble eine Produktion mit Deutschlandradio Kultur, neben hr2-Kultur, der Frankfurter Neuen Presse und der Neuen Musikzeitung Medienpartner des Deutschen Chorfests 2012.

Unter den Ehrengästen waren neben Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble, der bei den Eröffnungsveranstaltungen am Donnerstag in der Paulskirche und auf dem Römerberg sprach, auch Bundespräsident Joachim Gauck. "Zur Entdeckung der Möglichkeiten und Entwicklung der Fähigkeiten [durch das Singen im Chor] tragen […] die Chorleiter bei, die Musikerzieher, die Lehrer, die hauptamtlich, sehr viel öfter auch ehrenamtlich, die Chöre immer wieder anstiften und weiterbilden – jetzt sagen wir denen mal unser herzliches Dankeschön!"

 

 

Fotos: Alexander Zuckrow